Donnerstag, 23. Mai 2013

Kommt mal mit, ich zeig' Euch was

Gestern war ich mit meiner Freundin Falka (aus dem Ritterbund) in Berchtesgaden. Am Freitag, dem 24. Mai 2013, ist doch die Eröffnung vom neuen "Haus der Berge". Der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer kommt und natürlich unser Landrat und alle bekannten Größen aus der Region. Die Nachtwächterin Anna Glossner führt mit ihrer Gruppe historische Tänze auf. Und ich werde auch dort sein.

Aber warum dort schon so früh die Eröffnung gefeiert wird, das verstehe ich nicht so ganz. Die Gastronomie drinnen hat zwar schon geöffnet. Aber Handwerker sämtlicher Gewerke wuseln dort noch geschäftig herum und schrauben, klopfen und werkeln. Draußen wird fleißig an den Parkplätzen gearbeitet. Ich zeig Euch das mal hier.

Noch nicht ganz fertig: Haus der Berge in Berchtesgaden
Klickt auf das Bild, dann wird's deutlicher. Dahinten, die Holzfassade mit der Panoramascheibe, das ist das Haus. Die Einheimischen sind nicht so begeistert von dem Bau. Aber sollen die doch erst mal alles fertig machen. Das wird bestimmt interessant. Dann ein Foto vom Bau der Parkplätze:

Neue Parkplätze in Berchtesgaden am Haus der Berge
Nun durften wir aber schon mal ins Haus gehen. Viel gab es noch nicht zu sehen. Als wir in einer der gemütlichen Informations-Nischen Knöpfe zu verschiedenen Themen entdeckten, meinte ein Elektriker leise und bittend: aber bitte nicht drücken, das läuft dann drei Minuten.
Falka und ich lachten uns kaputt. Der arme Mann! Wie oft hat der wohl schon die Geschichten zu den Bergen gehört und kann sie auswendig rauf und runter sagen.

Wir gingen wieder zum Auto. Mal sehen, wie weit die Handwerker bis Freitag kommen. Sie waren sogar ganz zuversichtlich. "Wieso, ist doch noch Zeit bis Freitag", meinten sie, als ich sie bedauerte.

Wir wollten noch mit Santos eine große Runde gehen und fuhren zum Königssee. Da war es aber so voll von Touristen, wie die Ameisen! Trotz des schlechten Wetters.
Wir fuhren die Straße wieder runter bis zum Kreisverkehr am Bahnhof, dann Richtung Schönau. Dort stellten wir das Auto am Schönauer Friedhof ab, wo auch Sissis - also Romy Schneiders - Mutter Magda Schneider beerdigt ist. Am Friedhof vorbei gingen wir den schmalen Weg durch den Wald und kamen unten an der Königsseer Ache raus. Da war es wunderbar einsam. Ab und zu kamen uns Paare entgegen, die vom Campingplatz am Königssee die Ache entlang wanderten. 
Königsseeache in der Schönau (BGL)
Das Wasser der Königsseeache ist so eisig wie das des Königssees, ist klar. Aber wir müssen ja nicht darin baden. In der Einsamkeit entlang des Weges fanden wir ein Haus mit einem liebevoll dekorierten Geschäft für Tees und Geschenke. Das fand ich ja toll! Am Ärmel der Welt ein Geschäft mit schönen Sachen! Falka und ich waren darin, und ich habe ein paar Fotos gemacht und mit der Inhaberin geplaudert. Davon erzähle ich aber in meiner nächsten Geschichte.

Auf dem Rückweg kamen wir wieder an dem wirklich schönen Schönauer Friedhof vorbei. Ich sagte zu Falka:
"Wenn wir dies Tor öffnen, dann ist sofort das erste Grab rechts das von Sissis Mutter Magda Schneider".
Wir gingen hinein, und ich machte ein Foto von dem schönen Stein. Ganz unten steht der Name von der Oma von Romy Schneider, Maria Schneider. Bei ihr ist sie eigentlich aufgewachsen. Auch während ihrer Schulzeit, bis sie ins Internat kam. Ihre Mama Magda war ein berühmter Ufa-Star und beruflich immer unterwegs.

Grab Magda Schneider, Mutter von Romy
Im Oktober 2012 erzählte ich doch hier von meinem Besuch der Ausstellung von Romy Schneider (klick). Nur nochmal so zur Erinnerung.

Und hier sind noch schöne Fotos von der Königsseeache (klick) .

Und morgen erzähle ich Euch von dem hübschen Kaufladen in der Schönau. Sowas gibt es nicht mehr oft. Deshalb ist das eine Extrageschichte wert.

Hier: Information Haus der Berge (klick)

Mittwoch, 22. Mai 2013

Von Barden und Burgfrowen in Kufstein

Auf der Festung in Kufstein gibt es einen schönen Schloßgarten mit Restaurant. Dort ist es herrlich, unter den dicken Kastanien zu sitzen. Als am Freitag die mittelalterliche Musica "Die Streuner" (aus familiären Gründen) nicht vollständig war, spielten einfach zwei Musiker miteinander, die vorher gar nicht zusammen geübt hatten. Sie spielten und sangen irische Lieder und mittelalterliche Weisen, so daß sich immer mehr Gäste in dem gemütlichen Gastgarten niederließen, um ihnen zu lauschen.

 Matty der Angelsachse von den Streunern u.  Barde Peter von der Herrenwiese
Klickt auf die grauen Namen unter den Bildern und Ihr kommt auf die jeweilige Homepage der Künstler.

Unter den Gästen befand sich auch ein Fotograf, der meine Freundinnen und mich am Tisch fotografierte.

Burgfrowen Sabine - Gisela - Sandra
Da ich das Foto hier verwenden darf, will ich mich auf diesem Wege nochmal bei dem Fotografen Erwin Tatzberger (klick) bedanken. Mit meiner kleinen Digicam gelang mir in dem Licht nämlich keine Aufnahme.

Im Schloßgarten hatte auch eine Gewandmeisterin ihren Stand. Das heißt, es war ein richtiges, begehbares Geschäft, in dem sie ihre Werke feilbot.
Festung Kufstein - Gewandungen Eva Behmer (klick)
Eva saß da und nähte ein neues Stück mit der Hand. Das schöne zweifarbige Kleid links unter dem Fenster ist aus Seide und kostet um die 600 Euro. Die Gewandmeisterin arbeitet auf Maß. Sie näht auch Bühnenkostüme. Ich trennte mich nur sehr schwer von diesen schönen Kleidern.

An einem Stand kauften wir drei Grazien uns dann noch schönes Geschmeide. Ich fand einen Armreif passend zu meinem grünen Gewand. Und da ich den Stoff von meinem roten Kleid dabei hatte, fand ich auch noch einen genau farblich passenden Armreif dazu. Schöne Haarklämmerchen mit filigranem Muster mußten es auch noch sein, und die Freundinnen kauften einen Ring und Ohrschmuck. Der Wein im Schloßgarten hatte uns schwach werden lassen. So saß die Münz' locker im Säckel.

Ich fuhr mit dem Lift gegen Glock 6 am Abend hinunter, um eine Stunde mit dem Hund zu gehen und ihn zu füttern. Dann kam ich auf die Festung zurück. Im Körbchen hatte ich eine Flasche Wurlwein (Sekt) und drei Gläser für uns. So erlebten wir dann noch auf der Hauptbühne schöne mittelalterliche Musica mit anschließender großer Feuershow. Was da Beeindruckendes aufgeführte wurde, ließ uns auf die Bänke steigen, damit wir unter den vielen Leuten besser auf die Bühne schauen konnten. Der Himmel über Kufstein färbte sich von rosa bis weinrot. Dann ging die Sonne unter.

Irgendwann konnte ich nicht mehr. Ich verabschiedete mich von den Freundinnen und ging den steilen Weg hoch zum Festungslift, der vom Schloßgarten zu begehen war. Ein Recke schloß das riesige Holztor.

"Haltet ein!", rief ich. "Ich möchte noch zum Fahrstuhl".
"Der fährt seit Glock 10 nicht mehr, es ist jetzt halb elf", antwortete der Mann im Wams.

Mir taten die Füße in den leichten Ballerinas weh. Der felsige Untergrund, die viele Lauferei an dem Tag, ich konnte nicht mehr! Er wies mir den Fußweg von der Burg. Als ich wieder unten in der Hauptburg war, traf ich den Bader beim Geschmeidehändler. Ich erkenne ihn immer sofort an der handgemachten Hornbrille des Brillenmachers, der auch auf der Mauternburg seinen Stand hat.

"Bader, wie komme ich wieder hinunter? Ich muß zu meiner fahrbaren Kemenate, die steht am Fluß. Aber auf der Flußseite ist nur der Ausgang vom Lift", quengelte ich.

"Holde, seht das Schild an der Burgmauer: Abgang.
Nehmet den Weg und Ihr kommt auf die Hauptstraße der Stadt".

"Nein, ich will aber nicht auf die Hauptstraße, ich will zu meiner Kemenate am Flußufer bei dem Zweiradhändler".

"So gehet einfach den Weg hinunter, auf der großen Straße noch ein paar Schritte und Ihr findet das Hinweisschild zu dem Händler, wo Eure Kemenate steht", sagte der wohl ortskundige Mann.

Meine Füße erlaubten fast keinen hoheitsvollen Gang mehr, aber der Fahrweg von der Burg war glattgewalzt und nicht schmerzhaft. Und so sah ich unten schon das Schild zu meinem Parkplatz, wie es der Bader vorausgesagt hatte.

Im Wohnmobil stellte ich einen Kessel Wasser auf's Feuer. Wenn die Freundinnen später zu ihrem Stinkroß kommen, sollen sie vorher noch einen Cappuccino trinken, damit sie munter sind für die Fahrt nach Rosenheim und München.

So saßen wir dann noch bestimmt eine Stunde in meinem Wohnmobil und plauderten und verabredeten uns für das nächste Mittelalterfest.

Am nächsten Morgen trat ich dann auch den Heimritt an.

Blick in den Brunnen von der Festung Kufstein
    
        

Dienstag, 21. Mai 2013

Von kleinen Rittern, Musici und einem Bader

Am Sonntag klarte der Himmel dann auf. Bevor die Burgfrauen aus bayrischen Gemarkungen ansprengten, nahm ich schon mal ein paar Eindrücke von der Festung auf.

Festung Kufstein - Blick zur Hauptbühne
In Kufstein war viel profanes Volk unterwegs. Rucksacktouristen, die man oft nur schwerlich von den Bildern wegschneiden kann. Wenn die Eintrittspreise für Gewandete niedriger wären, würden sich vielleicht mehr Besucher bemühen, wenigstens in einfacher, mittelalterlicher Gewandung zu kommen. 

Einige Eltern putzten aber ihre Kinder so nett heraus. Hier mal zwei kleine Ritter. Wenn man mit der Maustaste auf die Bilder klickt, werden sie größer:

Kleiner Kreuzritter zu Kufstein
Der Drachenritter
 Auf verschiedenen Bühnen spielten mittelalterliche Musikgruppen.

Des Teufels Lockvögel - Hauptbühne Festung Kufstein
Im gemütlichen Schloßgarten, wo man sich im Gastgarten der Gastronomie niederlassen konnte, spielten gerade "Die Streuner".

Eine ganz tolle Gruppe: Die Streuner - Festung Kufstein

Beim Bader 

Dienstleistungen des Baders Festung Kufstein
Ja, so war das damals. Aber eigentlich wurde die Zähne nicht gezogen sondern gebrochen. So sollte die Zahnwurzel dann herauseitern. Wer's überlebte, war gut dran. Im Keltenmuseum in Hallein (Salzburger Land) sah ich Totenschädel, die am Kiefer vor lauter Rauseiterung schon keinen Knochenteil mehr hatten. Die Menschen starben dann meist an Blutvergiftung.

Arbeitstisch eines mittelalterlichen Baders
 Hier einmal die gezogenen Zähne aus der Nähe:

Erfolgreiche Arbeit beim mittelalterlichen Bader
Dann hatte ich das Glück, dem Bader bei einer Entlausung und Totalschur bei einem Kunden zuzuschauen. Hier auf dem Bild die anschließende Waschung mit kaltem Wasser.

Kopfwaschung beim Bader - Festung Kufstein

Hier endet meine heutige Bildergeschichte vom Mittelalterfest auf der Festung zue Kufstein.
Ich warte noch auf ein schönes Foto, was ein Profifotograf auf der Burg von uns drei Burgfrowen machte. In dem dunklen Schloßgarten bekam ich kein anständiges Bild zustande. Aber der Fotograf stand sogar von uns entfernt, knipste ohne Blitzlicht, und das Bild ist gestochen scharf geworden.

Auf morgen also. 
Von Weybbs-Bildern und der Vorstellung einer Gewandmeysterin in Kufstein. 


Montag, 20. Mai 2013

Mit dem Wohnmobil ins Mittelalter nach Kufstein

Die trutzige Festung in Kufstein bietet sich förmlich an für Mittelalterfeste. Auch dieses Jahr fand über die Pfingstfeiertage auf der Burg wieder das alljährliche Ritterfest statt. Als ich mit meinem Mobil durch die Stadt Kufstein fuhr, war ich drauf und dran, wieder den Heimritt anzusprengen. Ich sollte einfach keinen richtigen Parkplatz finden, der ruhig, bei Sonne schattig und mit Grüngürtel drumherum ist, damit mein Hund es schön kühl und still hat; und damit ich zwischendurch mit ihm gassi gehen kann. Ich parkte erst an einem Busparkplatz, von dort ging ich mit Santos den Panoramaweg entlang des Inns. Nach zwanzig Minuten fand ich einen trefflichen Platz, der nicht als öffentlicher Parkplatz ausgeschildert ist. Ich fragte die dortigen Anwohner, ob ich mit meinem Wohnmobil dort für zwei Tage stehen könne. Ja, aber nicht auf den Parkkästchen, die für die Busse sind. Weiter hinten sagt keiner was.

Mein Luxusstellplatz im Schatten
Von meinem ruhigen Luxusstellplatz, der direkt am Panoramaweg des Inns lag, war ich zu Fuß in vier Minuten am Lift, der durch den Berg hoch zur Festungsanlage fuhr. Im Lift wurde auch der Brückenzoll berappt. 14 € Tageskarte für Profane, 12 € für Gewandete. 

So kam ich gerade rechtzeitig, als ein kleiner Festungsumzug stattfand. Zum besseren Erkennen auf die Fotos klicken:

Landsknechte auf der Festung Kufstein

Kraiburger Ritterschaft

Gutgelaunte Bauchtänzerinnen


Am Lager der Kraiburger Ritter

Das schöne Zelt der Bauchtänzerinnen

Dann zog am Samstag gegen Glock 6 am Abend der Himmel zu. Als es anfing zu tröpfeln, begab ich mich lieber wieder zu meinem Hund ins Wohnmobil. Schnell umgezogen in profanes Sportzeug, machte ich noch einen langen Weg mit meinem Schätzelein, das im Wohnmobil bisher geschlafen hatte. 

Als es richtig anfing zu schütten, entschied ich mich, lieber im muckeligen Wohnmobil zu bleiben. Ich holte meinen tollen Flachbildschirm aus dem Stauraum, drückte auf Sendersuchlauf und machte mir einen schönen Krimiabend. Am nächsten Tag sollte die Sonne scheinen. Ich war per Schwatzdraht mit Freundinnen aus einem befreundeten Ritterbund verabredet (Grenzwacht>>klick), die vom Tegernsee, von München und aus Rosenheim kamen. Da die Parkplatzsituation in Kufstein erschöpft war, verriet ich mein Traumplätzchen, damit sie sich mit ihren Stinkrössern zu mir gesellen konnten. Daß die Freundinnen froh waren über diesen geheimen Parkplatz, das könnt Ihr Euch wohl vorstellen. Und dann so nah zum Geschehen!

Für heute mache ich Schluß mit meinem kleinen Bildbericht. Morgen füge ich neue Fotos ein. Vom Bader, der an seinem Lager seine Dienste anbot: Entlausen, Zähne brechen, Einlauf, Amputation  und natürlich die Harnschau.

Übet Euch also noch etwas in Geduld und gehabt Euch wohl!

Donnerstag, 16. Mai 2013

ORGEL UM FÜNF

In Bad Reichenhall ist jetzt wieder jeden Freitag in der Evangelischen Stadtkirche ein halbstündiges Orgelkonzert. Das ist so wunderschön, dass ich fast jede Woche dorthin fahre. Letzten Freitag war ich mit meiner Freundin Falka aus dem Ritterbund da.

Der Kantor Matthias Roth tritt vor seinem Orgelspiel vorne an den Altar, um seine zu spielenden Stücke zu erklären. So kann man wirklich manche Abschnitte besser zuordnen. Zum Beispiel das Stück des französischen Komponisten Olivier Messiaen (1908 - 1992)  "L'Ascension" - "Die Himmelfahrt". 
Das Orgelstück wird am Ende immer höher. Bis es sozusagen im Himmel ist. 
So wird diese Musik auch für jemanden besser verständlich, der sonst mit Klassik und besonders Orgelmusik nichts am Hut hat.

Als der Kantor anfing mit Toccata d-moll von Dietrich Buxtehude (1637-1707), da hatten nach ein paar Sekunden wirklich alle Zuhörer die Augen geschlossen. Dieses barocke Orgelspiel, in dem wohl sämtliche Register gezogen wurden, überströmte uns mit leichter Gänsehaut.

Am Ende des Konzerts kann man dann einen freiwilligen Geldbetrag am Ausgang in ein Körbchen legen.
Wer es also nicht weit hat, nach Bad Reichenhall zu fahren, der soll sich diesen Genuss einmal gönnen. 
Da ich von der Kirche nur ein einfaches Foto von der Orgelempore mitgebracht habe, füge ich am Ende meiner Geschichte das wohl bekannteste Stück von Johann Sebastian Bach ein. 

Evangelische Stadtkirche Bad Reichenhall
Der Kantor und Organist steht oben links neben den Kerzen. Wenn man genau hinschaut, sieht man ihn. Hier bedankt er sich für den Applaus.

Also, morgen ist wieder Freitag. Bad Reichenhall, Ev. Stadtkirche, gegenüber vom alten Spielkasino, gegenüber vom Kurpark, daneben ist ein großer Parkplatz.

Und nun kommt Bach, der auch sämtliche Register zieht:



Mittwoch, 15. Mai 2013

Salzburger Festspiele und Hundeprüfung

Tja, was hat das miteinander zu tun? Das will ich Euch hier mal anhand alter Fotos zeigen. Ich versuche immer, aus irgendwelchen Situationen einen Nutzen für andere Begebenheiten vorzubereiten. So auch damals, als ich mit meinem Ferro im Sommer die Begleithundeprüfung machte, als zeitgleich die Salzburger Festspiele waren. 
Ich hielt z.B. auf Wanderwegen Fahrradfahrer an, um kurz mit ihnen zu plaudern, damit sich mein Hund währenddessen neben mein Knie setzt und den Radfahrer ignoriert. Das erklärte ich dann auch dem verdutzten Mann. Dann sagte ich:
"Vielen Dank, jetzt können Sie wieder weiter fahren".
Was der von mir dachte, war mir egal. Hauptsache, ich hab meinen Hund bis zur Prüfung so weit. 
Diese Hundeprüfungen sind für mich immer Stress pur, da ich ja eigentlich gar kein richtiger Hundesportler bin. Aber die Prüfungen mache ich schon aus rechtlichen Erwägungen.

So fingen dann auch Ende Juli wieder die Salzburger Festspiele an. Eine Woche später sollte die Prüfung auf dem Hundeplatz sein. Was hab ich gemacht? Ich schnappte mir meinen Ferro und fuhr die paar Kilometer rüber nach Salzburg. Vor dem Festspielhaus ist vor der Vorstellung immer ein Promi- und Gästeauflauf. Man plaudert, steht an den Sekttischen, alle haben gute Laune, man wartet auf den ersten Gong. 
Meine Übung dort war es, mit dem Hund normalen Schrittes durch die Menschenmenge vor dem Festspielhaus zu flanieren. 
Bei Fuß - Kehrtwende - rechts - links - stehenbleiben usw. Mein Ferro war ein Traum bei diesen Übungen! Nun wollte ich noch mit ihm in die Gruppe von Menschen, die lachten, plauderten und nach verschiedenen Parfüms rochen. Ich kaufte mir ein Glas Sekt an einem der Stände, suchte mir illustre Leute für das Foto aus und sprach sie an:
"Pardon, gestatten Sie mir ein Gruppenfoto mit Ihnen? Ich möchte meinem Züchter zeigen, wie gut sich mein Hund schon in der Menschenmenge zeigt. Außerdem brauche ich diese Übung für die Prüfung kommende Woche". 
Ja, das fanden sie toll! Einen anderen Passanten fragte ich noch eben, ob er uns knipst, und schon war das Bild im Kasten.

Mit Sekt und meinem Ferro und Festspielgästen in Salzburg
Dann folgte eine Woche später die Prüfung. Eine Unterordnungs-Disziplin ist dabei, durch die Gruppe zu gehen, wo sich Menschen laufend bewegen. Dabei darf der Hund keine Notiz von ihnen nehmen, er muß bei mir am Knie bleiben. Auf den Bildern sieht man meine Angespanntheit richtig. Der Prüfer sagt leise "Gruppe", dann rufe ich den Hundekameraden zu: Gruppe bitte!

Im Laufschritt durch die Gruppe - Hundeprüfung
Dann geht man langsam durch die Menschen, die laufen mir auch einfach über den Weg, aber der Hund muß bei mir bleiben. Dann im Laufschritt, dann stehen bleiben, der Hund muß absitzen.

Bei der Hundeprüfung, Absitzen in der Gruppe

Auf diesem Foto bin ich grad mal fünzig, sehe aber vor Angespanntheit aus wie siebzig! Ich habe diese Fotos nie hergezeigt. Aber jetzt, nach 11 Jahren, ist das auch schon wurscht.
Der Prüfer, Bernhard Babel, steht hinter mir mit seiner Schreibtafel, der im blauen Hemd. Der war sehr nett.
 
Ende der Hundeprüfung, geschafft!
Bei meinem Santos war ich wieder genauso aufgeregt. Nee, das werde ich wohl nicht mehr machen. Wenn Santos mal nicht mehr ist, dann nehme ich mir einen Rottweiler, der ein Scheidungshund ist oder so. Oder der zwar seine Prüfungen hat, sonst aber zum Hundesport keine Lust zeigt. Der hat dann das schönste Leben bei mir. 
Aber bei diesen Fotos kommt der ganze Stress wieder hoch. Ich weiß, meine HundekameradInnen, die das hier lesen werden, lachen sich wieder kaputt. 

Mal sehen, ich hab noch Fotos vom Autorennen am österreichischen A1-Ring. Das war lustig! Da hab ich auch einen Blödsinn gemacht.
Aber das erzähle ich Euch dann später.

Montag, 13. Mai 2013

Mit dem Wohnmobil nach Chemnitz

Es war zu Ostern 2002. Ich hatte gerade 14 Tage mein neues (gebrauchtes) Wohnmobil. Und da ich mir mal ein paar Städte in den neuen Bundesländern anschauen wollte, machte ich mir vorher in der Küche einen Plan. Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Meissen und Dresden. Auf dem Rückweg gemütlich durch das Vogtland.

Die damals noch holprigen Strassen raubten mir den letzten Nerv. Vor fast jedem Schlagloch in der Fahrbahn musste ich eine Vollbremsung machen. Wenn ich vergaß zu bremsen, klapperten Geschirr und Gläser in den Schränken. Der 110 L-Frischwassertank schwappte hörbar, ich war naßgeschwitzt!

Auf der breiten Hauptstrasse in Chemnitz nahm ich mir vor, mich nicht allzulange in dieser Stadt aufzuhalten. Aber diesen riesigen Kommunistenkopf, der da vor so einer Häuserwand steht, den wollte ich doch unbedingt sehen. 

Vor einer Ampel fragte ich vier Jugendliche in ihrem Auto:
"Sagt mal, wo ist denn hier dieser Kopf, der da an der Straße steht, dieses Mahnmal?".
"Was'n für'n Mahnmal?".
"Ja, hach nee, ich komm' jetzt nicht drauf, dieser Kommunistenführer mit dem strengen Gesicht, wie heißt der nochmal?". - Nee, mir war das richtig peinlich.
Dann fiel mir wieder der alte Stadtname ein, da sagte ich dann Karl Marx.

"Och deer, ja da fahrense...".

Ich bedankte mich noch schnell, die Ampel ging auf Grün, und ich gab wieder Gas. Ich hörte aber noch, wie einer der Jungs sagte:
"Mahnmal is jut!".
"Aber recht hat'se", sagte der andere.

Karl-Marx-Mahnmal in Chemnitz
    
Nun muß man verstehen, ich wuchs im Ruhrgebiet in den Jahren des Wirtschaftswunders auf. Durch meine Prägung vom Elternhaus war das Wort Kommunismus sowas Schlimmes wie eine unheilbare Krankheit. Dazu die ewigstrenge Miene dieses Karl Marx, er hatte für mich was Gruseliges.

Und so fand ich dann direkt vor dem großen Kopf eine Parknische für mein 6,20 m langes Wohnmobil. Ich nahm meinen damaligen Ferro mit hinaus, setzte ihn neben den Kommunistenführer, drückte einem Bürger meine Kamera in die Hand...knips...und fertig.
Und dann bin ich ganz schnell aus der Stadt gefahren. Richtung Leipzig. Dort fand ich dann einen großen Parkplatz hinter dem bekannten Polizeigebäude (Soko Leipzig) und blieb dort zwei Tage. In Leipzig wurde ich vom Mittelaltervirus infiziert. Und dort war ich auch in der Thomaskirche und hörte den Thomanerchor. Ja, das waren dann wieder andere Erlebnisse.

Und wenn ich mein Wohnmobil mal für eine Weile verlasse, dann übernimmt mein Hund das Steuer. Einbrecher suchen sich was Bequemeres aus für ihre Geschäfte.

Ferro im Wohnmobil
Meinem Hund gestatte ich es, dort zu sitzen. Ich habe jetzt natürlich auf beiden Sitzen Schondecken, damit die Pilotsitze keinen Schaden nehmen. Und so sitzt er da schön und schaut sich die Gegend an und wartet auf sein Frauchen. Er soll sich schließlich bei mir wohl fühlen.

Sonntag, 12. Mai 2013

Als die Türken damals Wien belagerten

da ließen sie uns im Abendlande nicht nur den Mocca, den Kaffee und gute Gewürze da. 
Nur für die, die damals im Geschichtsunterricht gerade krank waren:
Die erste Türkenbelagerung in Wien war im Jahre 1529 unter Sultan Süleyman I dem Prächtigen. Die zweite (erfolglose) Belagerung durch das Osmanische Reich erfolgte 1683.

Bei Ausgrabungen in der Steiermark fand man unter den hinterlassenen Gegenständen der Osmanen auch eine türkische Davul (klick) . Das ist eine zweifellige Rahmentrommel, die im gesamten orientalischen Raum verbreitet ist.

Ich erzählte doch hier von unserem Kapitel im Ritterbund, wo wir zur musikalischen Begleitung des Abends die Musici "Schulmeyster und Gefolge" zu Gast hatten. Der Trommler hatte so eine nachgebaute Davul, auf der er uns vorspielte.

Musici Schulmeyster und Gefolge
Als Robert im Burghof auf seiner Davul trommelte, schrieb unser Wohlweiser (Cancelarius) dazu:

Mit großer Sorge hatten manche schon auf die gar große Trommel gesehen und sich gefragt, wie das wohl im Gewölbe auszuhalten sei. Aber – gar sanft, ja liebevoll wurde das Musikgerät „gestreichelt“ und die Sassenschar spendete dem „Schulmeyster und seinem Gefolge“ lauten Beifall. Bestens geleiteten sie musikalisch durch das Kapitel. 

Robert Grabowsky mit Davul
Ein Sasse, der zum Kapitel geladen war, schrieb die vorherige Ansprache des Schulmeysters mit, der uns vor dem Spiel die Geschichte zu dieser türkischen Trommel erzählte:



Bei unserem letzten Generalkapitel untermalte musikalisch das Ensemble Schulmeyster & Gefolge - bestehend aus 
Franz Mettauer, altösterreichischer Dudelsack, Maultrommel
Harald Soyka, Geige und
Robert Grabowsky, Davul

Währenddes Dudelsack und Geige in der Mittelalters- und Volksmusikszene bekannte Instrumente sind, erregte Roberts Davul mein Interesse. Auf dieser wurde nicht nur, wie ich das schon oft gehört, im ewig gleichen Rhythmus eingedroschen, sondern mit verschiedenen Klangfarben fein gerührt.

Als Grenzland war die Steiermark mehr als fünfundzwanzigmal den Einfällen türkischer Heere oder doch wenigstens einzelner Streifkorps derselben ausgesetzt. Die kaiserliche Armee stand dem ziemlich hilflos gegenüber, weil ihre Teile an anderen Brennpunkten der Verteidigung dringend benötigt wurden. Die Bevölkerung griff zur Selbsthilfe, und beherzte Männer verhauten an strategisch günstigen Stellen Wege und Stege, in der Hoffnung, ein Eindringen der feindlichen Scharen - wenn nicht schon zu verhindern - so doch zu verzögern. 
An einer dieser heute noch sogenannten Türkenschanzen standen sich wehrhafte Dorfbewohner und eine kräftige Schar osmanischer Reiter samt Fußsoldaten gegenüber. Deren Reiterei teilte sich. Ein Teil versuchte die Wegsperre kleinräumig zu umgehen, der andere Teil zog sich zurück, um neue, unverhauene Wege zu erkunden. Die Steiermärker erkannten diese Aufsplitterung der feindlichen Truppen, wagten einen Vorstoß und waren darin so erfolgreich, dass die Feinde Hals über Kopf unter Hintanlassung ihrer Habe flohen.  
Unter den zurückgelassenen Gebrauchsgegenständen fand sich auch eine Rahmentrommel, eine türkische Davul mit weitem hölzernen Corpus. Diese war mit zwei unterschiedlichen Fellen bespannt. Die rechte dünnere Seite wird mit einer Gerte geschlagen, die linke tiefere mit einem Klöppel. Durch geschickte Wendung des Gurtes als Schräghängung bietet die Davul auch den Einsatz als Landsknechtstrommel, wie wir sie in Europa seit der Renaissance kennen.

Auf noch nicht bekannten Wegen geriet diese Davul in das Museum Joanneum in Graz und bald in Vergessenheit. Obwohl diese Trommelart über die Janitscharenmusik in die österreichische Militärmusik Eingang fand und als Vorbild bei der Erfindung als Bass-Drum bei der Entwicklung des Jazz-Schlagzeuges stand.

Nun gibt es in Wien einen Instrumentenbauer, der sich als Trommelhersteller einen guten Ruf erworben hat. Dieser ganz in seinem Metier aufgehende Mann hörte von dieser Davul, maß sie genau ab und baute sie liebevoll nach allen Regeln seiner Kunst nach.
Robert ist es gelungen eine Rekonstruktion dieser Facharbeit zu erwerben und spielt sie aus Herzensfreude.
Für mich als Zuhörer ist es vergnüglich, den verschiedenen Klangfarben und Schlagtechniken dieser Davul mit seiner kriegerischen Geschichte zu lauschen, deren Aufgabe es einst war, den eignen Leuten Mut einzuflößen, die Feinde aber in Angst und Schrecken zu versetzen.
- Ende der Ausführungen des Sassen von dieser Kapitelmusik.


Da ich im magischen Netz keinen Film fand, worin
Janitscharen ihre Trommelkünste zeigen, stelle ich Euch hier mal die Kampftrommler von der Landshuter Hochzeit vor. Eine einminütige Kurzfassung. So könnt Ihr ungefähr vergleichen, wie sich das anhörte:

 
Diese Trommeln sind zwar anders als die türkische Davul. Der Zweck des Trommelns ist aber gleich.