Freitag, 26. Juli 2013

Die Probleme vieler Menschen

bekommt man nie so mit, wenn man einen fröhlichen und unternehmungslustigen Freundeskreis hat.
Gestern war ich mit meiner Freundin Falka zu einem Workshop. Darin ging es um das Schreiben von Büchern. Eine Krimiautorin aus dieser Region las kurze Passagen aus ihren Büchern vor.

Wir waren neun Frauen und die Autorin. Nun sollten wir selbst innerhalb einer angegebenen Zeit eine Kurzgeschichte schreiben. Während ihrer Vorlesung, die mich nicht wirklich fesselte, überlegte ich schon, welche meiner Erlebnisse ich später schnell mit der Hand niederschreiben könnte. Ich entschied mich für die Rettung meines Hundes, den ich vor Jahren aus einem eiskalten See zog (klick), da er nicht schwimmen konnte. 

Während wir zur gedanklichen Ideenhilfe unserer bevorstehenden Geschichte noch auf einem Blatt eingekreiste Wörter mit Begriffen und Pfeilen und Bezug niederschreiben sollten, hätte ich am liebsten schon gleich mit dem Schreiben angefangen. 

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Ich hatte ja schon im Kopf, was ich schreiben wollte. Nein, ich sollte erst das Hilfsgerüst schreiben. Für den Blödsinn (für mich) brauchte ich so viel Überlegungszeit, weil ich mich ja hineinversetzen musste in die Situation, wo ich nicht weiss, was ich schreiben soll. Dass ich erst ein Gerüst dafür aufbauen soll.

Dann durften wir alle schreiben. Lilli, eine ca. Zwanzigjährige, schrieb Phantasy, angelehnt an den Film Avatar. 
Die Frau mit der verrauchten Epidermis neben Falka schrieb über das Zusammenleben mit ihrer 93jährigen Mutter, die schwer dement ist. 
Eine andere Frau schrieb über eine Wanderung, bei der sie mit ihren Freunden über eine Hängebrücke gehen musste, die über einen tobenden Gebirgsbach führte. Sie beschrieb dabei ihre Panikattacken, die Todesangst, als sie über dem Bach stand, und die anderen ungeduldig auf sie warteten. 
Die Frau neben ihr schrieb über einen Patienten in der Klinik, in der sie arbeitet. Es ging um Atemnot und auf das Warten einer Austausch-Lunge. Meine Freundin Falka schrieb etwas Nettes. Eine Art Kindergeschichte.
Eine andere wollte ihre Geschichte gar nicht vorlesen. Sie sei zu persönlich. Die Frau war nach dem Schreiben traurig.

Dann mussten wir unsere Werke vorlesen, und jeder sollte etwas dazu sagen. Nach den Lesungen der Frauen mit ihren Alltagsproblemen war ich mental erst einmal etwas im Keller. Mensch, was geht es mir doch gut!
Beim Lesen meiner Geschichte mussten sie an der Stelle lachen, als ich meinem untergehenden Hund laut zurief: BEINARBEIT! So war die triste Stimmung schon mal etwas aufgehellt.

Die Frau, die von ihrem schrecklichen Klinikalltag schrieb, glaubte mir meine Geschichte dann nicht. Es wäre eine erfundene Story, wie ich mir sowas wohl wünschte. Einen so schweren Rottweiler könne man nicht aus dem Wasser retten. Weil ich momentan sprachlos war, war ich froh, dass meine Freundin Falka für mich antwortete, dass das stimmte.

Dann hätte ich es dramatischer schreiben sollen, meinte die Frau mit der Hängebrückenangst. Ich hätte über meine Todesangst schreiben sollen, die ich hatte, als der Hund mich wieder mit den Pfoten unter Wasser gedrückt hatte.

Ich sagte, dass ich in keiner Sekunde Todesangst gehabt hätte. So eine Aktion würde ich auf der Stelle wiederholen. Warum soll ich etwas dramatisieren, was nicht stimmt? Ich war nur sauer, dass ich nach der Rettungsaktion völlig abgeschminkt war und so zur Verabredung fahren musste.

Die Autorin meinte, ich hätte nicht so, wie man es in der Schule bei Aufsätzen lernt, mit Einleitung und Hauptteil und Schluss schreiben sollen. Ich hätte vielleicht erst den Hund untergehen lassen und dann im Rückblick die Geschichte erzählen sollen.

Also nee!

Als ich Falka nach Hause fuhr, unterhielten wir uns über den Workshop und über die Frauen. Was jeder von uns davon mitgenommen hat. 
Ich habe nur die Erkenntnis mitgenommen, dass ich sehr dankbar sein kann für mein Leben, das ich lebe. Für meine physische und psychische Gesundheit. Für meine Hobbies, meinen tollen Freundeskreis. Und Angst hab ich vor gar nix!

Ja, das waren nur mal die Gedanken, die ich heute Morgen loswerden und mit Euch teilen wollte. Nun habe ich doch etwas geschrieben, dabei wollte ich heute den Computer einfach mal aus lassen. Ich habe noch Holz aus der Werkstatt geholt, was ich streichen muß, damit endlich mein neuer Balkon gebaut werden kann.

Mein Fiat Panda als Langholztransporter
Beim Kauf meines Autos hatte ich sofort die Rücksitzbank rausmontieren lassen. Dann machte mir mein Dorfzimmerer einen stabilen Holzfußboden auf Maß. Und ich tackerte weichen Teppichboden darauf. So habe ich eine Ladefläche für alles Mögliche. Und mein Hündchen einen bequemen, grosszügigen Platz.

Jetzt aber Schluss mit dem Schreiben. Ich muss streichen.

Kommentare:

  1. Liebe Gisela,
    ich glaube viele Menschen sehen auch immer nur das Schlechte. Sie können gar nicht genießen was sie haben. Ich war heut ganz früh schon in Hamburg unterwegs und habe bei dem schönen Wetter richtig genossen ein bisschen Zeit zu haben. Ich bin wie eine Touristin durch die Stadt gebummelt und habe fotografiert und mich gefreut wie schön es hier doch ist. Aber eure schönen Berge vermisse ich auch ein bisschen.
    LG aus Hamburg von Sibylle

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    1. Hallo Sibylle,
      schön, wieder von dir zu lesen!
      Und auch, daß Ihr heile wieder in Hamburg angekommen seid.
      LG Gisela

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  2. Man glaubt es manchmal wirklich nicht, was für Lasten und Kümmernisse die Menschen mit sich herumtragen. Da kann man dankbar sein, wenn man selber mit weniger Kummer durchs Leben gehen darf. Oder einen besseren Weg gefunden hat, damit umzugehen.
    Deine Geschichte lässt sich sicher auf verschiedene Arten schreiben. Als Hunde-Mensch-Geschichte, als Novelle, als Drama. Das kommt dann doch auf den Autor an, welcher Aspekt ihm wichtig ist.
    Was mich verblüfft, ich war der Meinung, alle Hunde können schwimmen?!
    LG Donna G.

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    1. Nee, das gibt es oft, daß Hund untergehen, wenn sie nicht von klein auf ab und zu im Wasser waren. Meinen vorigen Hunden hatte ich noch in der Welpenzeit das Schwimmen beigebracht. Den Rest erzählte ja der Ausbilder, als ich das in Wien erzählte.
      LG Gisela

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  3. Liebe Gisela,
    was Du da beschreibst, ist leider sehr sehr verbreitet in unserer Gesellschaft. Wir leben in einer "Fehlerkultur". Sehr viele Chefs streichen durch ihren Betrieb und suchen nach Fehlern. Wer hat was falsch gemacht? Das lernen wir schon in der Schule: Bloss keinen Fehler machen, denn das kann die gesamte Zukunft gefährden. Letztlich führt das zu Angst, Lähmung und Stillstand. Eine mutlose Gesellschaft ohne Visionen. Nur wenige trauen sich bei uns unkonventionell zu denken, oder nicht ausgetretene Pfade zu gehen. Dabei ist es immer das Unbekannte, das Neuerungen mit sich bringt. Piraten sind out, dann traut sich jemand einen Piratenfilm zu drehen, der hat Erfolg, u.a. auch weil neu. Jetzt liegen alle Verlage und Filmproduktionen ihren Autoren in den Ohren und wollen Piratengeschichten haben. Bis der nächste Mutige etwas abliefert, das nach den meisten Auftraggebern sich gerade überhaupt nicht verkauft und trotzdem ein Erfolg wird.

    Leider sind viele "Kritiker" nicht an der Weiterentwicklung des "Kritisierten" interessiert, sondern wollen sich selbst aufwerten. Deswegen ist das Wort "Kritik" bei uns so schlecht beleumundet, dass es zunehmend durch "feedback" ersetzt wird. "Feedback" scheint unbelastet und impliziert den Gedanken der konstruktiven Unterstützung, eine positive Eigenschaft, die das Wort "Kritik" leider durch den eitlen Missbrauch eingebüsst hat. Dabei "waren die schlimmsten Kritiker der Elche früher selber welche."

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