Montag, 18. März 2013

Übernachtung im Steinbruch

Gerade komme ich von der ritterlichen Hochzeitsfeier zurück, die am Wochenende in Bozen stattfand. Heute schreibe ich aber erst von der Fahrt dorthin. Von der Salzburger Grenze bis nach Bozen sind es nur etwas über 300 Kilometer. Da mein Wohnmobil aber langsamer ist als ein PKW, fahre ich immer schon einen Tag früher los als meine mittelalterlichen Freunde.

Es war schon dunkel, als ich in Vomp/Tirol von der Autobahn fuhr.
Gleich rechts nach dem Kreisverkehr war eine riesige, freie Fläche, auf der nur Bagger und Mischmaschinen-Laster standen, die man für den Tiefbau benötigt. Und alles war unter Flutlicht.

Och, dachte ich, da bleibste über Nacht. Ich hatte mehr als die Hälfte der Fahrt hinter mir und war auch schon müde. Damit ich mit meinem Wohnmobil schön ordentlich in Reih' und Glied mit den anderen Fahrzeugen stehe (man will ja nicht aus der Reihe tanzen), stellte ich mich neben einen Volvo Dumper, den ich vor ein paar Tagen noch hier in der Salzach stehen sah.

Mein Wohnmobil im Steinbruch in Vomp/Tirol
Als ich am nächsten Morgen mit Santos meine Runde machte, fuhren einige PKW ohne Kennzeichenschilder über den riesigen Platz. Dann überholte mich wieder so ein Volvo-Kipper und fuhr in eine riesige, ausgebaggerte Mulde. Dort wurde das Fahrzeug von großen Baggern beladen und fuhr wieder raus. Und ich mit meinem Hund und meinem winzig anmutenden Wohnmobil mittendrin.

Das ist die tolle Firma mit besseren Fotos:
http://www.derfeser.at/ 

Später fuhr ich zu dem Glashaus, in dem ein Wärter sass. Daneben war auch eine Laster-Waage. Ich ging zu dem Mann ins Büro und stellte meine Fragen zu diesem Gebiet. Der Mann sagte, wenn mich das so interessiert, dann soll ich doch ruhig mal die Strasse weiter durchfahren. Dort sähe ich ganz viele von diesen großen Spezialfahrzeugen und auch riesige Schaufelbagger. Bevor ich losfuhr, stellte ich mich mal eben auf die Waage. Der Mann guckte aus dem Fensterchen und rief: "2.900 Kilo".
"Oh danke, passt ja vorzüglich", sagte ich und fuhr in die Steinwüste, die dann auch von ewiglangen Förderbändern bestückt war, die mal ganz feinen Sand, dann Kies und dann dickere Steine auf einen Haufen schütteten.
Steinbruch "Derfeser" in Vomp/Tirol
Auf diesem Platz drehte ich dann und fuhr weiter durch die ganzen Kiesberge.
Mit Wohnmobil bei Sauwetter durch den Steinbruch
Da waren Strassen wie in einer Stadt. Der ganze Steinbruch war eine eigene Stadt. Die vielen PKW ohne Nummernschilder, die an mir vorbeifuhren, nahmen gar keine Notiz von mir. Ein schwerer Kipper sagte zu mir:  
"Do derfscht ned in da Kurven stehnbleibm, desch is zu g'fährlich!".
Ich stand zwar ganz rechts, aber wenn da so ein beladener Bagger kommt, der schiebt mich zusammen wie ein Pappauto.

Und so fuhr ich und fuhr ich und landete immer auf irgendeinem erhöhten Wendeplatz. Und die Tatsache, dass niemand mit mir schimpfte und mich wegschickte, machte die ganze Sache etwas gruselig. Ich verfuhr mich seit einer halben Stunde in dem Dreck und niemand interessierte sich dafür.

Steinbruch in Vomp/Tirol
Endlich, ich hatte schon einen Kloss im Hals und Tränen in den Augen, kurvte so ein kleines, dreckigrotes Auto ohne Schilder die Serpentinen hoch, direkt auf mich zu. Ein junger Mann lächelte mich an. Er trug eine Seemannsstrickmütze und war ca. 25 Jahre alt. Ich fragte ihn sofort:
"Kommst du wegen mir?".
"Jo".
"Ach, das find ich aber nett! Ich komm hier nicht mehr raus. Ich finde die Straße nicht mehr. Bist du so lieb und fährst mich zum Ausgang des Steinbruchs?".
 "Jo", sagte er knapp, wendete und flitzte die Kurven hinunter. Und ich hinterher. 
Der Fahrer lotst mich aus dem riesigen Steinbruch
Ich musste natürlich auf die Bremse treten, sonst wäre ich seitlich den matschigen Kies runtergerutscht. 
Unten, irgendwo neben ca. 20 schweren Strassenmaschinen, hielt der Junge und meinte, ab hier wüsste ich ja wieder weiter.
"Nein!, rief ich, das sieht doch noch alles genauso grau aus! Ist das jetzt die Straße, die zum Brenner führt?".
 "Jo", lachte er und war wieder weg.

Und ja, ich kam an dem Glashäuschen vorbei. Der Mann lachte und winkte mir zu. Ich glaube, die haben wohl über Funk gewusst, dass da eine neugierige Frau mit Wohnmobil und Rottweiler auf dem Sitz durch den Steinbruch fährt, um sich das alles anzuschauen. Deswegen haben die mich auch in Ruhe gelassen. Dann haben sie aber gemerkt, dass ich nicht mehr herausfand und schickten Hilfe.

Oh Mann, ich war nassgeschwitzt, als ich auf den Brenner fuhr. Und da erwartete mich ein Schneesturm, der sich gewaschen hatte. Und hinter mir hupten die Schwertransporter, weil ich mit meinem alten Hobby 600 nicht schneller als 80 oder 90 km/h fahren wollte. Und auch nicht schneller bergauf fahren konnte. Sowas Unhöfliches habe ich bisher nie feststellen können. Aber Richtung Süden herrschen wohl andere Sitten. 
Einen LKW-Fahrer, der mir bald auf der Stoßstange sass, den ließ ich dann überholen, indem ich in eine Pannenschneise fuhr. Dann war er vor mir. Vom Schneesturm in den Sonnenschein. Bis Bozen. Toll! Und davor hat der so ein Theater gemacht.

Brenner-Autobahn, das war der LKW aus Portugal

So, für heute war's das. Morgen erzähle ich weiter.      

Kommentare:

  1. Mit 80 bis 90 nimmst du den LKWs den Schwung am Berg und vorbeiziehen können die auch nicht ;-)
    Der LKW-fahrer der dann hinter dir ist und nicht weiss das dein Hobby sich schon mächtig anstrengt mit 90Km/h der wird natürlich ungehalten :-)
    Von den neueren WoMos ist man ja anderes gewohnt, für die sind Berge kein Problem mehr

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    1. Ach so. So wusste ich das auch nicht.

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    2. Ja und wenn? Wenn ich am Berg nicht schneller kann, dann ist halt auch beim LKW der Schwung raus!
      Es ist sowas von rücksichtslos, und vor allen Dingen sinds auch hier wieder die LKW-Fahrer, die dieses gefährliche Spiel treiben.
      Ich kenne das zu genüge von meiner Spanienreise. Eine Frechheit, man sollte diese Rowdies rausziehen und bestrafen.

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    3. Und das Schlimme ist, die warten, bis man durch den langen Tunnel fährt, und dann hupen sie so laut und lang, das schallt dann wahnsinnig, dass der Hund bald aus dem Bett fällt. Und wenn man da schreckhaft ist, verreisst man das Lenkrad und verursacht einen Unfall. Und so passieren dann die schweren Tunnelunfälle.
      Komischerweise sind darin immer LKW involviert. Das denke ich so oft.

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    4. Hupsignal ohne wirklichen Grund sind verboten.
      Also Kennzeichen aufschreiben und an der nächsten Polizeistation anzeigen :-)
      Werde auch bei jeder Fahr nach D auf der A2 Richtung Rinteln
      mehrfach verhupt weil mein Skoda an der Steigung eben nicht schneller kann.
      Die meisten Unfälle werden immer noch von den Rowdies im PKW gemacht ;-)
      Bei der nächsten Fahrt nach D kleb ich mir ein Tempo 90 Aufkleber hinten drauf. Dann will ich mal sehen ob die Fahrt ruhiger wird :-D
      Komischerweise gibt es diese Unsitte des hupens bei uns in Schweden garnicht

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    5. Ja Norbert, ich hatte auch erst daran gedacht. Aber diese oftmals armen Schweine von LKW-Fahrern verlieren nach so einer Anzeige vielleicht ihren Job und liegen auf der Strasse.
      Aber es stimmt, wenn die nicht mal einen Dämpfer kriegen, dann passiert wieder sowas, dass eine Frau mit Kind das Steuer vor Schreck verreisst und zu Tode kommt. Lichthupe und Schiffshorn im Tunnes sind grauenvoll!

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  2. Stell dir vor, in 1000 Jahren findet man ein Skelett in einem verrosteten Wohnmobil im Steinbruch. Da würde sofort jeder an ein Verbrechen denken....Tod im Steinbruch, toller Titel für einen Roman. Oh je, meine Phantasie geht mit mir durch.
    Schön, dass du wieder rausgefunden hast.
    Warst du eigentlich bei dem Paar auf der Hochzeit, von dem du uns Bilder vom Heiratsantrag gezeigt hast?
    LG Donna G.

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  3. Hallo Gerhild,
    nee, wenn ich dort abgerutscht wäre, dann wären - gerade da - so viele Bagger und Spezialfahrzeuge, die hätten mich mit Sicherheit befreit. Wenn nicht dort wo sonst? _
    Ja, das war die Hochzeit des Paares, wo der Ritter seine Gesponsin fragte: "Willst du meine Burgfrau werden?". Das war im Mai vorigen Jahres auf dem Hoftag.

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    1. Was die besagten Kipperfahrer wirklich gedacht haben möchtest Du nicht wirklich wissen, oder? Blond, mit Hund, in einem Steinbruch?

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    2. @Rainer Auerswald
      Was die Deiner Meinung wohl gedacht haben? Die haben vielleicht bedauert, dass ich ohne rotes Herzchen in der Windschutzscheibe dort stand. ;-)

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  4. Hallo Gisela,

    langweilig wird es bei Dir aber auch nicht! :-)

    Liebe Grüße
    WaltraudD

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    1. Stimmt, Waltraud. Aber ich schaue auch immer, wo was ist, was man nicht jeden Tag sieht. Es gibt so viele spannende Situationen und Dinge. Man muss eben darauf zugehen.

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  5. Hallo Liebe Frau Gisela Stöcker,

    Freue mich über Ihren Reisebericht für den kurzen Besuch bei der Firma Ernst Derfeser GmbH Schotterwerk Vomperbach zu lesen.
    ich bin der Wächter der im Glashaus sitzt Hi Hi Hi
    (das Glashaus) ist die Zentralwaage für (den Steinbruch)das Schotterwerk Vomperbach wo nur Schotter abgebaut wird und ich bin der Wiegemeister dazu. Sie währen bei uns im Werk auch nicht verloren gegangen denn nach einiger Zeit hätte ich nach Ihnen sehen lassen denn Sie können nur die gleiche Strasse zum rausfahren benützen die Sie auch herein führte.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin schöne aufregende Reisen damit Sie auch weiterhin solch Reise Erlebnisse schreiben können.

    schöne Grüße aus Tirol

    Wolfgang Jud

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    1. Hallo lieber Wolfgang,
      ja, das ist ja eine Überraschung! Da freue ich mich aber, dass Sie mir schreiben! So ein ganz kleines bisschen hatte ich schon darauf gewartet. ;-)
      Da bin ich ja im Nachhinein froh, dass Sie ein sicheres Auge auf mich geworfen haben.
      Ich kann grad vor lauter herzhaftem Lachen kaum schreiben. Der Mann im Glashaus! Das hört sich wirklich gut an.
      Wenn ich wieder mal nach Bozen zu den Rittern fahre, dann besuche ich Sie auf ein Käffchen in Ihrem "Glashaus".
      Schöne Grüße aus dem Berchtesgadener Land
      Gisela

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    2. Hallo liebe Gisela,

      Vorerst möchte ich Sie fragen ob Sie mir gestatten Sie mit Du anreden zu dürfen. Denn Sie haben eine total Sympathische Ausstrahlung. Dafür möchte ich mich im Nachhinein Entschuldigen dass ich Dir keine Tasse Kaffe anbot, aber ich war momentan so angenehm Überrascht als Du herein kamst und nach den Baumaschinen und dem Werk fragtest das ich total darauf vergessen hab. Denn es ist nicht Alltäglich dass zu mir ins Häuschen eine Frau mit Sympathische Ausstrahlung und angenehmer Stimme kommt. Ich möchte Dir auch eine kleine Info geben da Du ja im Bund der Ritter bist wenn Du es nicht schon wissen solltest. Im Mai 2013 ist auf der Festung Kufstein ein großes Ritterfest mehrere Tage.
      ""Großes Mittelalter-Spektakel vor einer spektakulären Kulisse
      Ritter-Romantik, Mittelalter-Musik und Gaukler-Gaudi
      Das Ritter-Fest hat sich mittlerweile zu einem jährlichen Fixpunkt auf der Festung Kufstein etabliert. Die fünfte Auflage des bunten Treibens geht zu Pfingsten, 17. bis 20. Mai 2013 in Szene und verspricht ein vielfältiges und spektakuläres Programm. Mehr als 500 Mitwirkende werden über vier Tage die gesamte Festungsanlange mit mittelalterlichem Leben füllen."" www.ritter-fest.at

      Nun ich wünsche Dir noch einen schönen Tag

      liebe Grüße aus Vomperbach

      Wolfgang

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