Dienstag, 9. Oktober 2012

In der Stauferpfalz Bad Wimpfen

Ich kam rechtzeitig auf dem großzügigen Stellplatz in Bad Wimpfen an. So konnte ich noch meinen Stundengang mit dem Hund durch die weiten Felder machen. Das ist eine wunderschöne Gegend dort. Mein Wohnmobil stellte ich so, daß es bei dem Sonnenschein immer von Ästen bedeckt war. Egal, wie die Sonne gerade steht.
Vom Stellplatz sind es nur ein paar Minuten Gehweg bis zur Altstadt.

Die trutzige Stadtmauer in Bad Wimpfen ist zu 80 % erhalten
Um 19:00 Uhr waren wir alle zum Essen beim Griechen neben dem Blauen Turm verabredet. Ein schönes Restaurant mit ansprechendem Lokalkolorit. Wir waren zu drei Ritterschaften angesprengt, den Gutratern aus Salzburg, dem Bozener Ritterbund und dem Badischen Ritterorden. Und wir sind im Bündnis Abendländischer Ritterschaften.
Unser Wohlweiser Cancelarius und ich stehen zwischen unseren Bozener Freunden. 
Der Wohlweise ist der Mann mit den weißen Haaren und der Brille. Er ist nicht nur der Kanzler unserer Gutrater Ritterschaft sondern auch vom ganzen Bündnis Abendländischer Ritterschaften. Auf ihm lasten die Geschreybsel und die Ladschriebe und die ganze Organisation.

Am darauffolgenden Tag trafen wir uns in der Altstadt zur Stadtführung. Eine mittelalterliche Stadtführerin, ehemalige Lehrerin, brachte uns spannend und mit allen Jahreszahlen die Geschichte vor und nach Kaiser Barbarossa zu Gehör. Die Bürger und Touristen hatten staunend ihren Spaß, als wir alle in Gewandung durch den Ort gingen. Auch bekannte Sprichwörter erklärte uns die Stadtführerin. 
"Ach, da ist doch nichts dahinter!" kommt aus Zeiten, als man stolz seinen Hochzeitsschrank im Haus zeigte, in dem alles prall gefüllt mit Linnen und Tuch und Wäsche gestapelt war. Wenn man dann aber dahinter griff, war es leer. Es war nichts dahinter.
Wenn um Mitternacht die Stadttore geschlossen wurden und ein später Heimkehrer noch in die Stadt wollte, mußte er so lange warten, bis der Nachtwächter gerade wieder an diesem Tor vorbeikam. So konnte er das Klopfen hören, das um Einlaß bat. Da öffnete der Nachtwächter nur ein kleines "Manntor", das auch "Nadelöhr" genannt wurde, um dem späten Bürger Einlaß zu gewähren. Und da das immer mit einer Extrazahlung verbunden war, hatte man eben "Torschlußpanik".

Das Mueum im Steinhaus zeigt Exponate zur Geschichte Bad Wimpfens.
Nach der Stadtführung fand im Blauen Turm für zwei Recken des Badischen Ritterordens die Knappenaufnahme statt. Auf der zweiten Turmebene hatte man den Hochsitz verbaut, rundherum war alles schön mit Lianen und Blumen dekoriert. Das Zeremoniell wurde musikalisch mit mittelalterlichen Liedern begleitet. Die Gäste standen an den weiterführenden Treppenaufgängen. Für die Burg- und Freifrauen wurden Bänke aufgestellt, so daß man im Sitzen erhöht auf das Kapitel schauen konnte.

Höfisch aufgebrezelt im Blauen Turm zu Bad Wimpfen





Natürlich durften danach die Knappen zum Kusse herumgereicht werden. Wie sich das so gehört.

Um 19:30 Uhr war auf der Burg Guttenberg im nahen Haßmersheim das große Ritteressen. Man hatte für uns einen schönen Raum dekoriert. Auf den Tischen lagen Brotkörbchen mit knusprigen Wecken, dazu Griebenschmalz und köstlicher Kräuterquark als Gaumenkitzler.

Speisenfolge auf Burg Guttenberg
Die köstliche Gemüsecremesuppe wurde in einem ausgehöhlten Roggenbrötchen serviert:

Gemüsecremesüppchen im Roggenmantel
Zwischen den Gängen unterhielt uns ein lustiger Gaukler:

Gaukler mit Feuerzauber
Der Küchenmeister tranchierte die Puter vor unseren Augen, so daß alles frisch, heiß und knusprig serviert werden konnte:
Der Küchenmeister tranchiert den Truhthahn
Dieses Foto wurde nach dem Essen aufgenommen. Bitte nicht böse sein, aber ich habe die vollen Bäuche bei der Bildbearbeitung weggeschnitten:
Satte und strahlende Burgfrauen: Renate - Gisela - Lucretia
Der schöne Abend verging wie im Fluge. Den warmen Apfelstrudel in Vanillesoße habe ich gar nicht geknipst. War sehr lecker! 
Als alle Freunde ihre Herbergen aufsuchten, brauchte ich nur zu meiner warmen Kemenate zu gehen, die schon an der Burgmauer auf mich wartete. Noch eine kleine Runde mit meinem Santos, dann aber ab ins Bett.

Als ich am nächsten Tag Richtung Autobahn Heilbronn fuhr, regnete es. Damit die hilfreiche Stimme aus dem modernen Wegeleitungsgerät mich nicht wieder in Richtung Stuttgart navigieren sollte, ließ ich sie noch schweigen. Kurz vor der Stelle, wo die Abkürzung in Roth kommt, machte ich sie wieder an. Und schwupps, war ich wieder auf der Autobahn Richtung München. Schon vorher erfreute mich das Schild "Freistaat Bayern". Und wie auf Knopfdruck riß der Himmel auf und zeigte sich von seiner schönsten bayrisch-blauen Seite. Und dann noch eine freie A8 Richtung Berge, das war so schön, daß ich während der Fahrt eben die Kamera nahm und das Bild festhielt:

Ein seltenes Bild: eine freie Autobahn Nürnberg-München


Sehet und studieret selbst: http://www.burg-guttenberg.de/
und: https://www.google.com/search?q=bad+wimpfen&hl=de&noj=1&site=webhp&prmd=imvns&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=8UtzUMqVEsqD4gTs84HICw&ved=0CH4QsAQ&biw=1024&bih=636

Nachtrag:
Eine Leserin schrieb mir, weil sie einige Ausdrücke nicht verstanden hat. Das finde ich toll, daß sie mir das schrieb. So will ich hier einmal nachtragen:

Geschreybsel, das ist der Schriftverkehr.
Ladschrieb, das ist ein Einladungsschreiben.
Das Kapitel, auf das die Frauen auf dem Foto schauen, das ist ein Festkapitulum, das von einem Hochsitz aus gehalten wird. Am Hochsitz sitzen der Großmeister, der Cancelarius (Schriftführer), der Burgpfaff  und auch der Gebietige, der mit "Silencium!" zur Ruhe ruft, wenn nach einer Schwatzpause das Kapitel wieder aufgenommen wird. Der Gebietige ist auch der Stellvertreter des Großmeisters des jeweiligen Ritterbundes. Er hat mehrere Aufgaben. Zu wichtigen Momenten ruft er:

"Sassen, erhebet Euch!".  Ein Sasse ist ein Mitglied des Ritterbundes.
Der Burgpfaff weiht den schönen Humpen, gefüllet mit Wein, bevor der Gebietige zur Humpenkreisung aufruft. Dann trinkt jeder Sasse einen Schluck aus dem Humpen und stellt sich allen vor. Bei Rückgabe des Humpens an den Mundschenk sagt man dann:
"Dem Nächsten zum Gedeih' ". Der gibt dann auf Geheiß des Gebietigen den Humpen an den nächsten Sassen, der namentlich aufgerufen wird.


Meine Kopfbedeckungen sind übrigens von Daniela Engel in Neuburg a.d. Donau "Die Behüterin http://www.diebehueterin.de/index1024.html

Kommentare:

  1. Hallo Gisi,

    ich bin beim Stöbern auf deinenn Blog gestoßen und alles liest sich sehr interessant. Vor allem das mit dem Mittelalter und so.

    Ich kenne mich damit aber nicht so wirklich aus und verstehe so einige Worte nicht....

    Was z.B. ist denn "Geschreybsel und die Ladschriebe" und was ist das "Kapitel" auf das die freifrauen schauen???

    Ansonnsten finde ich die Beiträge ganz toll, es ist nur sehr schade, dass du von dieser schöne, wortgewandten Schreibweise oft abweichst und dann Begriffe wie "Navi-Tante" oder (vorher) "Latscherei" verwendest....da verschwindet das Burgfräulein dann ganz. :(
    Das finde ich so schade....

    Ich freue mich, noch mehr von dir zu lesen.....

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  2. Ein Gott zum gruße ehevor!

    Wir möchten Euch Komplimente machen für Euer magischen Schrieb er ist sehr interessant.

    Gehabt Euch Wohl!

    Lg und Handkuss klaus
    von der ritterschaft zue botzen

    Auf ein baldiges wiedersehn!!!

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  3. @emilyrose
    Vielen Dank, hab dir ja schon zurückgeschrieben. LG Gisela

    ************************************************************
    @Junker Klaus

    Ooh, seyd bedankt, lieber Klaus!
    Das freut Uns insonders.
    Auch Euch ein Gott zum Gruße und
    auf ein baldiges Wiedersehen. ;-)

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