Dienstag, 6. November 2012

Besuch im Cumberland Wildpark

Am Sonntag wollte ich nach dem mittelalterlichen Festabend in Werfen nicht sogleich nach Hause. Da ich es letzte Woche zeitlich nicht geschafft hatte, wollte ich an diesem Tag bei dem herrlichen Wetter noch etwas unternehmen. Gegen Mittag schaute ich auf mein Navi, wie weit der Wildpark von Werfen entfernt ist. Für einen PKW sollten es anderthalb Stunden sein, also brauche ich mit meinem fast 20 Jahre alten Wohnmobil mindestens zwei Stunden.

Vor der Kasse stand diese schöne Bank:


Um drei Uhr stand ich an der Kasse. Ob sich das noch lohnt, fragte ich, wenn um vier Uhr die Pforten geschlossen werden. Es wird um diese Uhrzeit lediglich die Kasse geschlossen, ich dürfe so lange bleiben, wie ich wolle. Auf dem Faltsprospekt waren die große und die kleine Route angezeigt.

Als erstes kam ich am Bärengehege vorbei:

Zwischen dem Gehege und dem Besucher war noch zusätzlich ein Trennbalken, damit keiner auf die Idee kommt, mit der Hand durch die Stangen zu fassen.

Die Nachbarn der Bären waren zwei Wölfe:

Der Wolf. Wie ein Schmusehündchen sieht er nicht aus.
Weil ich ja nur die kleine, schwache Digitalkamera habe, hab ich mich auf den Holzbalken gestellt, damit ich den erhöht liegenden Wolf etwas besser knipsen konnte. Der war unbeeindruckt von meiner Turnerei.

Bis ich endlich zu meinen umschwärmten Raben kam, dauerte es noch was. Aber ich meine, so ein Steinadler hat ja auch was:
Der Steinadler. Durch Heranzoomen unscharf

Dann kam das umfriedete Gelände mit den Urwildpferden:

Das Urwildpferd hat ein dickes Fell

Die starke Sonneneinstrahlung im Sommer und die Kälte im Winter kann diesen robusten Tieren nichts anhaben. Sie können sich normalerweise vom kargen Graswuchs in sandigen Gegenden das ganze Jahr ernähren. Hier im Wildpark ist aber für sie der Tisch reich gedeckt.

Dann kam ich an Volieren vorbei, wo ich dachte, das wären schon die Kolkraben, die vielleicht umgezogen sind, weil sie vor Jahren woanders waren. Die großen Rabenvögel waren aber erst die Aaskrähen oder auch Rabenkrähen genannt.

draufklicken, dann kann man den Text lesen
Was ich also im Garten beerdigt habe, ist doch keine Corvus Corax sondern ein Corvus corone.

Daneben waren die zweifarbigen Kollegen:

Die Nebelkrähe
Komisch, dass ich Nebelkrähen noch nie in freier Natur gesehen habe.

Als ich den Rundweg weiterging, hörte ich schon das laute KRAKRA der Raben. Es war noch die Doppelvoliere, an welcher ich vor Jahren schon war.



Leider waren nur zwei Raben zu sehen. Auf Schildern wurden sie sogar namentlich vorgestellt. Sie sassen oben auf einem Ast, wollten sich nicht zu mir herunterbewegen. Wenn kein Besucher vorbeikam, piepste und gurrte und rief ich "Schätzelein", komm mal zur Tante. Nichts! Da kam eine junge Frau mit Futtereimer vorbei. Plötzlich waren sie da. Ich kam mit der Frau ins Gespräch, sie war für die Fütterung der Raben zuständig, bevor sie nun den Waldrapp betreut. Auf meine Frage, warum die hochdeutsch spricht, sagte sie, sie sei aus der Nähe von Dortmund und habe in Münster Biologie studiert. Die fertige Biologin macht nun noch in Wien ihren Doktor. Klasse!

Als sie weiterging, hatte ich meine Raben wenigstens vor mir:

Beeindruckend: Colombo, der Kolkrabe
Als Gage für ihr Stillhalten beim Fotografieren belohnte ich die beiden Raben mit Hundeleckerchen, die ich im Anorak hatte. Sie fingen die Leckerchen sogar in der Luft auf.

Die Kolkraben Colombo und Cassandra

Die Biologin schickte mich - weil ich so begeistert war - noch zu einer anderen Rabenvoliere, wo ich nochmal eine Aufnahme machte, dann ist es jetzt aber gut mit den Raben:

Kam zum Streicheln nah, Kolkrabe Gerti
Über dem Wildpark kreisen übrigens 200 registrierte Kolkraben. Sie haben sogar eine feine Antenne auf dem Rücken, zwischen dem Gefieder. Hatte ich zufällig bei Colombo gesehen. Die Biologin bestätigte mir das.

Auf meinem weiteren Rundgang kamen mir frechweg die Graugänse entgegen, mit deren Verhaltensforschung Konrad Lorenz ja bekannt geworden ist.

Graugänse. Als ich die Kamera zückte, guckten sie weg
Bevor ich zu den Elchen ging, schwamm da mal eben ein Fischotter durch den Weiher. Hab ihn noch erwischt. Wann sieht man schon mal einen Fischotter daherschwimmen?

Dahingleitender Fischotter
Dann war ich bei den Elchen. Die Elchkuh wollte nicht aus dem Stall. Mit meinen seltsamen Lockrufen kam wenigstens das Männchen:


Beim Wisent machte meine Batterie in der Kamera schlapp. Dazu war es dann schon etwas dunkel. Naja, etwas ist von dem Bullen aber noch zu sehen:

Ein mächtiges Wisent
Jetzt war es auch schon fast dunkel. Da in dem Wildpark keine Laternen leuchten, um die Nachtruhe und den Rythmus der Tiere nicht zu stören, leitete mich der helle Kiesweg. Dann hörte ich in der Stille ein lautes UHU! - Huch!

Und da stand ich vor der grössten Eule, die dann geruhte, sich von ihrem Ast zu bemühen:

Der Uhu heisst Uhu, weil er wirklich laut UHU ruft
Der freche Vogel unterhielt sich richtig mit mir, ja er sonnte sich in meinem Staunen über seine Schönheit. Und immer rief er wieder laut UHU. Wenn ich das erwiderte, dreht er den Kopf ganz nach hinten, als hätte er ein Gewinde im Hals. Einmal ging ich vorsichtig mit dem Fingerrücken an das Gitter. Und sofort wieder weg, denn ZACK! biss der Uhu mit seinem kräftigen Schnabel in die Stange. Mein Finger hätte gut ausgesehen.

Zum Abschluss des Rundganges nochmal ein Foto, als sich der Uhu wieder auf seinem Ast niedergelassen hatte:

Für den Uhu war die Unterhaltung zuende

Als ich auf dem Weg zum Ausgang noch auf eine Plattform ging, von wo aus man durch eine dicke Glasscheibe auf das umzäunte Revier des Luchses blicken konnte, war ich platt! Da sass der Luchs tatsächlich auf einer Holzplattform, die man auf einen Baum gezimmert hatte, dem nur die Baumkrone fehlte. Das sah vielleicht toll aus! Ganz nah! Und meine Batterie in der Kamera war leer. Und es war schon so dunkel. Was war das eine schöne, grosse Wildkatze. Als wolle sie sich für eine Aufnahme präsentieren, setzte sich die Diva aufrecht hin. Als dann nix kam, rollte sie sich gelangweilt wieder zusammen.

Als ich den Wildpark verliess und auf den grossen Parkplatz kam, stand nur noch meine Wohnmobil dort. Da man dort nicht über Nacht bleiben darf, ging ich nur noch eine kleine Runde mit dem Hund, fütterte ihn und fuhr dann langsam Richtung Autobahn wieder heim.

Zwischen Gmunden und dem Mondsee wurde ich dann aber so müde, dass ich Sekundenschlaf bekam. Jetzt reiss dich zusammen, dachte ich, es sind nur noch 50 km. Nee, als ich dann rechts über die durchgezogene Linie Richtung Leitplanke steuerte und erschrocken die Augen wieder ganz öffnete, hatte ich die Faxen dicke. Kurz darauf kam ein neuer Autobahnparkplatz, den ich sofort anfuhr. Durch die neuen Lärmschutzwände war das eine Stille dort, wie ich sie noch nie auf einem Autobahnrastplatz erlebt habe. Als hätte ich in einem Kurpark gestanden. Beim Gassigang mit dem Hund fiel mir auf, dass auf den vorgesehenen Wiesenflächen kein Gras war. Es war noch alles ganz neu.

Dann kramte ich meinen schönen, flachen DVBT-Fernseher aus dem Stauraum, und während der automatische Sendersuchlauf lief, holte ich aus dem Kühlschrank eine geräucherte Lachsforelle, deckte mir schön den Tisch, Kerze an, Weinchen eingeschenkt und Feierabend. Warum ich so müde war? Die letzte Nacht bin ich erst um halb zwei ins Bett gekommen. Dann vorhin drei Stunden durch den Wildpark marschiert, vorbei an frei laufendem Rotwild, Diskussionen mit Kolkraben und dem Uhu, da soll man nicht müde sein!?

Als ich gegessen und alles wieder weggeräumt hatte, legte ich - wie zu Hause - die Beine hoch, muckelte mich in meine hellblaue Fleecedecke und schaute meinen Sonntagabendkrimi. Nochmal den Hund das Bein heben lassen und dann ab ins Bett.

Das war ein richtig schönes Wochenende!

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