Mittwoch, 19. Dezember 2012

Die Pekinesenhündin Sissi

Pekinesen waren damals die Hunde am Hofe des Kaisers von China.
"Ein jeder Gemeine im Volke soll des Todes sein, so er ein solches Hündchen besitzt".
So stand es im Rassestandard beim Pekinesen.

Um auf den eigentlichen Punkt zu kommen, muß ich eine kleine Vorgeschichte erzählen.

Es war vor 20 Jahren. Ich lag morgens im Bett, wurde wach und schaute auf meinen Rottweiler Rambo, der auf der Seite meines ehemaligen Lebensgefährten lag. Rambo trauerte schon die ganze Woche um seine kleine Pekinesenhündin Pinki II., die mit 14 Jahren im Garten eingeschläfert und am Zaun begraben wurde. Ich wollte keinen zweiten Hund mehr.
Ich streichelte Rambo, er seufzte. Ich bildete mir einfach ein, er sei traurig, vielleicht hat er ja auch nur schwer geatmet.
Jedenfalls schmiss ich die Bettdecke zurück, machte mir einen Kaffee, holte das dicke Telefonbuch nebenan aus dem Büro und legte mich wieder ins Bett. Ich rief sämtliche Tierheime im Umkreis von 100 Kilometern an und erkundigte mich, ob sie nicht zufällig eine Pekinesenhündin im Heim haben.

Ich sei gut, meinte man. Ob ich nicht sonst noch Wünsche hätte? Ein Pekinese sei ein Zierhund, ein Schosshündchen, das nur im Todesfall mal reinkommt. Ich bat einfach, dass man sich meine Telefonnummer für den Fall der Fälle notiert.
Rosenheim, Bad Aibling, Altötting, Passau, bis München rief ich die Tierheime an. Überall bekam ich ähnliche Antworten.
Nach einer Stunde war ich fertig. Und als ich gerade die Beine aus dem Bett hatte - ich saß noch - , da schellte das Telefon. Es war das Tierheim Altötting.  - Och! ;-))
Eine Frau hatte eben dort angerufen, die ihren zweijährigen Pekinesen zur Vermittlung anbot. Er sollte nicht ins Tierheim, nur über deren Vermittlung in gute Hände vermittelt werden. Ich schrieb mir die Adresse in Neuötting auf, telefonierte mit der Frau und war noch am Vormittag dort.

Ein ordentliches Häuschen mit schönem Garten und Umzäunung stand da. Als ich das Törchen öffnete, kam mir ein kleiner, schwarzer Pekinese entgegen und freute sich und tanzte auf seinen krummen Hinterbeinchen.
"Lass' seine Füsschen gebogen sein, so dass er nicht wünscht weit zu laufen oder die kaiserlichen Gemächer zu verlassen". Stand auch im Buch über den Pekinesen.

Eine freundliche, schwangere Frau kam aus dem Haus, hinter ihr die Großmutter des Hauses. Ihr gehörte der Pekinese. Aber die neue Familiensituation, die Schwangerschaft, ein schulpflichtiges Mädchen, dazu ein quirliger Pekinese, auf den man aufpassen muß und zu nix kommt, das kann wirklich zu einem Problem werden.

Als ich winkend mit Sissi abfuhr, war die Großmutter schon weinend ins Haus gegangen. Zu Hause telefonierte ich mit der jungen Frau und berichtete, dass alles in Ordnung sei mit Sissi, dass sie gleich alles inspiziert hat und mein Rottweiler Rambo wieder glücklich sei. Und dass es zwischen den ungleichen Hunden sofort Liebe auf den ersten Blick war. 
Inzwischen war die kleine Tochter Marion aus der Schule gekommen und weinte, weil Klein-Sissi nicht mehr da war. Ich beschloss, Marion zu schreiben und ihr regelmässig von Sissi zu berichten.

Ich ließ Sissi erst einmal im Garten eine kleine Geländebegehung machen. Dann öffnete ich die Haustüre und ließ Rambo raus.Der freute sich so, dass er sie ungestüm beschmuste und beleckte. Das wurde Sissi dann zuviel, sie biss in seine Lefzen, er schüttelte sie kurz ab und beleckte das ganze Bäuchlein. Ich ließ die Beiden in Ruhe. Alles war wunderbar.

Klein-Sissi okkupierte sofort das Sofa...
während Rambo nur noch der Sessel blieb:

Klein-Sissi war die Chefin und wählte das Sofa
Marion und ich schrieben uns über einige Jahre. Sie schickte mir Fotos von ihren Wellensittichen und Meerschweinchen und ich schickte ihr Fotos von Sissi und schrieb, wie es ihr ergeht. Irgendwann brach dann der Kontakt ab, was ja auch normal ist.
Rambo wurde 12 Jahre alt und Sissi 13. 

Letzten Samstag war ich in Tittmoning auf unserem Weihnachtsfestkapitel der Ritterschaft. Auf unserem Fest musizierte eine mittelalterliche und folkloristische Gruppe von drei jungen Musikerinnen, die unser Herz öffneten. Ich ging in der Pause an den Tisch der drei Frauen und fragte, wie sie zueinandergekommen seien. Das habe ich ja schon im vorherigen Bericht geschrieben. In der Unterhaltung erwähnte ich, dass ich keine Kinder sondern immer Hunde hatte. Dabei fiel das Wort Rottweiler. 
Plötzlich fragte mich die schöne Harfinistin Marion, ob ich die Gisela mit dem Sportstudio und dem Rottweiler Rambo sei. Und ob ich kurze, blonde Haare hätte. Ich war platt. Ich sagte Marion, dass Rambo schon lange tot sei und ich das Sportstudio vor drei Jahren verkauft habe. Und dass ich inzwischen lange, blonde Haare habe, weil ich im Mittelalter schlecht mit Kurzhaarschnitt herumlaufen kann. Da erfuhr ich, daß ich aus Marions Familie die kleine Sissi hatte. Die kleine Marion, mit der ich mich geschrieben hatte, sass plötzlich nach über 20 Jahren neben mir. Wir umarmten uns. Sie erinnerte sich daran, dass ich damals ihrem Vater die Briefe an sie ins Büro gefaxt hatte. An dieses dünne Faxpapier, worauf die Buchstaben gesammelt waren, die ich - lt. Erzählung ihres Vaters - einfach durch die Luft geworfen hätte in Richtung von Papas Büro. Und da seien sie dann auf das dünne Papier gekommen.

Bevor die Musikerinnen fuhren, machten wir noch ein gemeinsames Foto.
Die kleine Marion ist eine schöne Frau geworden
 http://www.harfenmarion.de/index.htm
 Meine Kopfbedeckung ist von Daniela Engel "Die Behüterin"
 
Da Marion unter meiner Seidenhaube meine Frisur nicht erkennen konnte, füge ich hier mal zwei Fotos ein. Eines aus der Zeit, wo wir uns schrieben und das andere von vor drei Wochen.

Sommer 1993 mit Plantschbecken auf meinem Auto (42 J.)
 Und hier ein ganz neues Foto:

mit langem Haar und 10 Kilo mehr

Das ist nun ein langer Bericht geworden, der nicht jeden interessiert. Aber er soll für Marion und ihre Familie sein. Ich habe mich sehr über das Wiedersehen mit Marion gefreut.


DVD Weihnachts-Backkurs

Kommentare:

  1. Tolle Geschichte und die 0,5 Pfund mehr stehen dir sehr gut :D

    AntwortenLöschen
  2. Danke, liebe Conny, aber die Durchsicht der alten Fotos in dem Bilderkarton haben mir doch zu denken gegeben. Wie schnell so läppische 20 Jahre herum sind! Ab heute habe ich mir vorgenommen, mich die nächsten 20 Jahre über nichts mehr aufzuregen. - Und in meinen Jeansshort passe ich auch bald wieder rein. ;-))
    Wollte den Bericht schon Montag schreiben. Aber ich suchte noch die Fotos und musste erst mal sehen, wie man Bilder einscannt und auf den Bildschirm und dann in den Blog bekommt. Hat geklappt!

    AntwortenLöschen
  3. Die Welt ist doch klein. Das ist echt witzig, dass ihr euch wieder gefunden habt nach so langer Zeit.
    Und ich muss sagen: mit den langen Haaren und 20 kg mehr (warst du damals magersüchtig?:))siehst du superklasse aus.
    Herzlichst
    Donna G.

    AntwortenLöschen
  4. Neee! DonnaG., ich habe 10 Kilo mehr, nicht 20 Kilo! Ich fall in Ohnmacht! Das reicht mir schon. ;-))

    AntwortenLöschen
  5. Hallo Gisela, laß mal die 10kg drauf. Meine Ärztin hat gesagt, für jedes Jahr 1kg ist normal und in Ordnung. Außerdem sieht es gut aus. Und wenn wir jetzt abnehmen, dann meistens im Gesicht und da fragt mich meine Nachbarin schon immer ob ich krank bin. Weil man dann so verhärmt aussieht. So, nun genug gelobhudelt ;-). Die Sache mit dem nicht mehr Aufregen ist allerdings ok. Das ist ja der Vorteil der älteren Generation, wir können es ruhiger angehen lassen. Und mal ehrlich, wann hat es schon mal was gebracht, wenn du dich aufgeregt hast?! Wenn's schlimm kommt, dann nimmst du noch Schaden. Ein Bekannter von uns wurde mit einem Faustschlag niedergestreckt weil er sich aufregte, dass ein Mann auf die U-Bahntreppe pinkelte. Der drehte sich um und hat einfach zugeschlagen und ist dann gegangen. Hat also auch nichts gebracht.
    Aber dein Bericht war wieder toll.
    PS: War Wasser im Planschbecken? ;-)

    AntwortenLöschen
  6. Schon wieder zu früh auf "Veröffentlichen" gedrückt! Wollte doch noch hinzufügen, wir hatten auch mal 2 süße Pekinesen (hab schon immer gedacht ich wäre der Kaiser von China ;-) ), Mama & Tochter. Spielten immer mit unseren Katzen. Die "gebogenen" Beine haben sie aber nicht sonderlich gestört, wenn sie wollten waren sie immer schneller als ich. Vor Allem, wenn sie wieder was ausgefressen hatten!

    AntwortenLöschen
  7. Mir gefallen die langen Haare und die paar Pfund mehr auch viiieeel besser.

    Gruß aus München

    AntwortenLöschen
  8. Bleib wie Du bist, Du siehst einfach klasse aus!
    Die Geschichte klingt so schön, die könnte fast erfunden sein...
    Gruß aus der Schweiz,
    Ophelia

    AntwortenLöschen